TSV Buchen war im Pokalspiel gegen die Profis des SV Sandhausen ein ebenbürtiger Gegner – Gastgeber spielerisch stark
von Joachim Casel.
Da staunten die in Bestbesetzung angetretenen Sandhausener nicht schlecht: Mit dem erwarteten Spaziergang auf dem grünen Rasen des Buchener Frankenlandstadions wurde es am Dienstagabend nichts. Im Gegenteil, die couragiert auftretenden Gastgeber verlangten dem hochkarätig besetzten Profi-Team aus der Kurpfalz alles ab. Von einem Unterschied von vier Spielklassen war in keiner Phase des Spiels etwas zu erkennen. Am Ende fehlte zur Pokalsensation dann zwar doch noch ein ganzes Stück, aber vor allem der spielerisch überzeugende Auftritt der Grün-Weißen war aller Ehren wert und gibt für die am Wochenende beginnende Landesliga-Saison Anlass zu großen Hoffnungen.
Entsprechend üppig und von allen Seiten kamen die Lobeshymnen nach dem Schlusspfiff: Fußball-Kreisvorsitzender Klaus Zimmermann aus Rosenberg sah einen spielerisch beeindruckenden TSV Buchen. Eine „sensationelle Leistung“ bescheinigte Verteidiger Manuel Stein seinem Team, und Landrat Dr. Brötel sprach ein ganz dickes Kompliment aus.
Eine „andere Art des Lobes“ kam vom sichtlich angesäuerten Gästetrainer Frank Leicht, der für die Seinen in der Halbzeitpause und nach Abpfiff unüberhörbar deutliche Worte fand. Besonders haderte er mit der Defensivleistung der Kicker des SV Sandhausen.
Doch kommen wir zum gefühlten Sieger dieses Abends. Der TSV Buchen präsentierte sich am Dienstag als prächtig funktionierendes Ensemble, der modernen Fußball zelebrierte. Da wurde schnell und flüssig kombiniert, und ein Rädchen griff perfekt ins andere. Garanten für das erfolgreiche Spiel waren die beiden glänzend aufgelegten Viererketten. Hinten war der 34-jährige Patrick Schneider meist schneller am Ball als die wesentlich jüngeren Profis des SVS. Egal ob Löning oder Ulm bei Patrick Schneider war zumeist Endstation. So mancher gut gemeinte Sandhausener Angriff verpuffte wirkungslos, weil Schneider zusammen mit seinem ebenfalls starken Partner Eugen Müller in der Mitte wenig anbrennen ließ. Und auf den rechten Außenverteidigerposition stellte einmal mehr Allrounder Markus Gramlich seine außergewöhnlichen fußballerischen Fähigkeiten unter Beweis. Ein feines Debüt feierte auf der linken Seite Neuzugang Manuel Stein.
Im Mittelfeld ist Lukas Kasprzyk nach einer langen Verletzungsserie auf dem Weg zu alter Form. Mit dem Laudaer Neuzugang Slava Bauer erfuhr das Spielerische eine weitere Aufwertung. Und im Sturm werden es David Reimann und „Seba“ Wilczek sicherlich auch in der Landesliga viele Male klingeln lassen. Zum richtigen Sandhausen-Schreck wurde am Dienstag David Reiman, der zwei blitzsaubere Tore markierte und hinterher trocken meinte „ein geiles Gefühl“.
Die stärkste Phase hatte der TSV Buchen gleich am Anfang und ab der 60. Minute. Nach einer Stunde zogen die Grün-Weißen sogar fast schon ein Powerplay auf. Mehrfach stand man kurz vor dem Treffer zum 4:5, der das Spiel nochmals spannend gemacht hätte. Viele Zuschauer rieben sich da verwundert die Augen ob des spielerischen Potentials des TSV, der die Profis des Drittligisten gleich mehrfach in Verlegenheit brachte.
Nach zehn Minuten kam der Gast dann aber wieder zurück ins Spiel und schaffte als Zugabe in der Schlussminute noch das 3:6, das die Sache noch einigermaßen standesgemäß machte. Die Buchener aber konnten das Spielfeld hoch erhobenen Hauptes verlassen.
Dass dem SV Sandhausen zuvor alles abverlangt worden war, zeigt auch eine Szene nach Spielschluss. Aufgeregt erkundigte sich Sandhausens Manager Tobias Gebert nach einem Nudel-Schnellrestaurant in Buchen. Die Profis müssten nach der anstrengenden Partie eilends Kohlenhydrate zu sich nehmen. Sichtlich zufrieden über die abgerufene Leistung ließen sich die heimischen TSV-Kicker derweil zu einem kleinen Pils ein Schnitzel mit Pommes munden – zwar sicherlich keine ausgewiesene Sportlernahrung, dafür aber offenbar äußerst wirkungsvoll!
TSV-Trainer Peter Wilczek freute sich nach dem Schlusspfiff über die tolle Leistung seiner Truppe und sorgte mit der für ihn typischen Art auch gleich dafür, dass seine Überflieger auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Wilczek: „Das war heute ein schönes Spiel von uns, aber am Sonntag geht es nach Donebach, das wird es ungleich schwerer...“
TSV Buchen: Baier (46. Min. Külsheimer) – M. Gramlich, Schneider, Müller, Stein – Beckmann, Kasprzyk, Kilitschawyj (85. Sabo), Bauer (74. Steinfeld), – Reimann (80. St. Gramlich), Wilczek.
Landrat Dr. Achim Brötel, der sich mit dem grün-weißen TSV-Schal gleich als Sympathisant zu ergennen gab: „Der Sieg von Sandhausen geht in Ordnung, aber der TSV Buchen hat aufopferungsvoll gekämpft und war über weite Phasen auch spielerisch ebenbürtig.“
Fußball-Kreisvorsitzender Klaus Zimmermann: „Dass beide Teams vier Klassen trennen, war hier nicht zu erkennen. In der ersten Hälfte fielen auf beiden Seiten kuriose Tore.“
Trainer Frank Leicht (SV Sandhausen): „Wir wollten heute zu null spielen, das ist uns nicht gelungen. Mit unserem Defensivverhalten bin ich heute überhaupt nicht zufrieden. Der TSV Buchen hat sich teuer verkauft.“
SVS-Torwart Frederic Löhe: „Ich habe heute mehr zu tun bekommen, als erwartet.“
Trainer Peter Wilczek (TSV Buchen): „Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Eigentlich möchte ich heute keinen herausheben, denn alle haben einfach grandios gespielt, aber die zwei Tore von David Reimann waren schon klasse.“
TSV-Spartenleiter Klaus Baier: „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. Mir hat vor allem imponiert, wie wir spielerisch dagegen gehalten haben.“
TSV-Vorsitzender Kurt Bonaszewski: „Eine schöne Niederlage. Ich habe bei unserer Mannschaft heute viele gute Ansätze gesehen. Wir haben den Fußball der Region würdig vertreten.“